Verfolgt man die Nachrichten aufmerksam, stellt man fest: In der Druckbranche ist einiges los. Versandkataloge ...
Verfolgt man die Nachrichten aufmerksam, stellt man fest: In der Druckbranche ist einiges los. Versandkataloge, die früher Kultobjekte waren, verschwinden aus unseren Wohnzimmern. Die Kunden wollen sich lieber online durch Millionen von Produkten klicken, Bewertungen anderer Kunden lesen und mit 2-3 Klicks das gewünschte Produkt mühelos in den virtuellen Warenkorb legen.
Auch wenn es teilweise so aussieht, als ob digitale Medien den klassischen Print ablösen, bleibt Print bei vielen Kunden das beliebtere Medium.
Ikea verkündete erst vergangenes Jahr, dass sein Katalog „das auflagenstärkste Buch der Welt“ sei. In rund 25 Millionen deutschen Briefkästen landet der fast 300-Seiten starke Katalog, weltweit erreicht er sogar 190 Millionen Haushalte.
Auch aus Sicht von Reisekonzernen und Herstellern von speziellen Produkten, wie etwa Jagd- und Waffenzubehör, scheint Print noch längst nicht tot zu sein. Sie haben nicht vor in naher Zukunft ihre Kataloge einzustellen.
Die Gründe dafür sind offensichtlich. Gedrucktes wirkt glaubwürdiger. Laut einer repräsentativen Studie von 2016 vertrauen 70 % der Befragten Meldungen, die sie in Zeitschriften oder Zeitungen lesen. Nachrichten, die in sozialen Netzwerken stehen, werden von weniger als 10 Prozent der Studienteilnehmer als vertrauenswürdig eingestuft. Das Gleiche gilt für Testberichte in Fachzeitschriften. Sie wirken verlässlicher als Bewertungen im Internet. Fakt ist, wer bereit ist, Geld zu investieren, um seine Botschaften in gedruckter Form zu verbreiten, der gilt hierzulande als seriös und glaubwürdiger.
Zudem ergab eine neurowissenschaftliche Studie des Siegfried-Vögele-Instituts, dass Informationen, die visuell und haptisch erfasst wurden, länger im Gedächtnis bleiben. Grund dafür sind die zusätzlichen Hirnareale, die beim Anfassen einer Zeitschrift oder eines Katalogs, aktiviert werden.
All das, was wir nicht nur sehen, sondern auch anfassen können, bleibt besser in Erinnerung. Printprodukte sind genau dann die richtige Wahl, wenn Informationen intensiver betrachtet oder Emotionen verstärkt werden sollen. Trotz Digitalisierung können wir nach wie vor nur eine begrenzte Auswahl an Informationen verarbeiten. Laut einer Studie des E-Commerce-Centers Köln wird Gedrucktes meist in entspannten Situationen begutachtet, also auf dem Sofa im Wohnzimmer und nicht frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit in der dicht gedrängten U-Bahn.
Wir nehmen uns bewusst Zeit und können so dem, was wir da in unseren Händen halten, viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Wenn das Buch oder das Magazin jetzt noch optisch und haptisch ansprechend ist, sind wir dazu geneigt, uns näher mit der abgedruckten Thematik zu befassen.
Obwohl man meinen könnte, dass Online-Vermarktung effektiver ist als traditionelle Kanäle wie Printwerbung, ist die Annahme nicht ganz richtig. Topverdiener und wenig online-affine Menschen erreicht man im Netz eher schlecht. Entscheider bevorzugen nach wie vor Fachzeitschriften anstelle von Apps. Für fast jede Branche und Nische gibt es heutzutage Fachmagazine - vom Blatt für Küchenausstattung über Vogelzucht bis hin zur Binnenfischerei.
Printmagazine haben noch dazu eine höhere Lebensdauer als digitale Inhalte. Eine Website ist mit einem Klick geschlossen, Zeitschriften werden teilweise jahrelang gesammelt.
Da viele Firmen heutzutage auf Internetpräsenz setzen, können Unternehmen sich bewusst mit gut produzierten Printprodukten von ihren Konkurrenten abheben und bei den Kunden ankommen, die sie erreichen möchten.
Trotz all der Gründe, die für Print sprechen, müssen Druckereien schließen. Das liegt zum einen daran, dass die Papierpreise steigen und Druckereien mehr Maschinen kaufen, um produktiver sein zu können. Das führt allerdings eher zu Überkapazitäten als zum gewünschten Erfolg. Zum Anderen, und das ist das eigentlich viel größere Problem, haben viele Druckereien noch nicht die Vorteile des digitalen Wandels erkannt. Online-Druckereien dominieren den Druckmarkt, nicht altbekannte Druckhäuser, trotz eigentlich besserer Voraussetzungen.
Das „Erfolgsgeheimnis“ von Online-Druckereien ist schlicht, dass sie zukunftsorientiert denken und progressiv arbeiten und dabei nicht starr an traditionellen Denkmustern festhalten.
Druckereien müssen schneller, mutiger und konsequenter auf Innovationen reagieren.
Innovationszyklen der Digitalisierung sind viel kürzer als es Unternehmen gewohnt sind. Die Mehrheit der Druckereien hinkt dem digitalen Wandel aber noch hinterher. Um sich in so einer schnelllebigen Zeit im Markt zu etablieren und effektiver als die Konkurrenz zu arbeiten, kommen Druckereien nicht daran vorbei, Arbeitsprozesse zu digitalisieren.